Dienstagsgespräche wieder regelmäßig in Charlottenburg

Seit 1991 finden in Charlottenburg-Wilmersdorf die sogenannten Dienstagsgespräche des Neonazis Hans-Ulrich Pieper (NPD) statt. Piepers Mission ist die Vernetzung von völkisch denkenden Eliten in verschiedenen Lebensbereichen. So finden sich unter den bisherigen Referenten Militärs, Diplomaten, Polizisten, Unternehmer und viele weitere gescheiterte Gestalten.

Das Format der Dienstagsgespräche ist darauf ausgerichtet eine Brückenfunktion von rechtskonservativen bis hin zu Neonazis zu ermöglichen. Das aktive Bewerben der Dienstagsgespräche bei “Bärgida” und Teilen der Berliner AfD verdeutlichen dies.

In den vergangenen Jahren ist es Hans-Ulrich Pieper nicht mehr gelungen geeignete Veranstaltungsräume zu finden. Aus diesem Grund konnten die Dienstagsgespräche nicht regelmäßig stattfinden. Antifaschistische Initiativen verhinderten Treffen im Ratskeller Schmargendorf oder der Filmbühne am Steinplatz
2015 konnte die Veranstaltung einmalig im Restaurant Galija in der Otto-Suhr Allee durchgeführt werden.
Im Jahr 2017 haben fünf Veranstaltungen stattgefunden. Die Veranstaltungen wurden als “Gesprächskreis auch für politisch nicht ganz korrekte Kommunikation” beworben. Vermutlich fanden alle in Charlottenburg-Wilmersdorf statt.

Am 24. Juli 2018 hat das Dienstagsgespräch im Restaurant “Charlotte” am Spandauer Damm stattgefunden. Es referierte der sogenannte “Volkslehrer” Nicolai Nehring einen antisemitischen Vortrag mit dem Thema “Was das Volk lernen muss”.

Für Dienstag den 04.09 wurde für das Dienstagsgespräch Martin Sellner von der Identitären Bewegung eingeladen. Die Veranstaltungslocation war erneut das Restaurant “Charlotte”. Die Betreiber sagten die Veranstaltung kurzfristig ab, nachdem sie über das Nazitreffen informiert wurden.
Hans-Ulrich Pieper hatte im Vorfeld wohl mehrere Restaurants angefragt sodass die Teilnehmer in das Brauhaus Lemke ausweichen konnten. Hans-Ulrich Pieper hat das Nazitreffen dort als Veranstaltung von “Pieper GmbH” getarnt. Die Betreiber reagierten überrascht auf den spontanen Protest von Antifas vor dem Brauhaus, vom Charakter der Veranstaltung der “Pieper GmbH” hatten sie bis dahin keine Ahnung. Die kurzfrisitige Intervention konnte den Betreiber des Lokals nicht zu einer Absage der Veranstaltung bewegen. Abgesagt hatte dagegen Martin Sellner, der krankheitsbedingt abgesprungen ist. Als Ersatz referierte ein Mitarbeiter von Udo Voigt (NPD) im EU-Parlament. Mit ihm nahmen weitere bekannte Neonazis der NPD Berlin teil. Darunter Udo Voigt selbst, Angelika Willig, Uwe Meenen, Sebastian Schmidtke, Harald Bankel, Tibor Haraszti, Florian Stein, Karl Richter und Christian Häger.

Auch Teile der Berliner AfD scheuen den Kontakt zur NPD nicht mehr. So haben sich nach leichtem zögern Johannes Sondermann, Andreas Wild und Dietmar Gröper (IB) Karl Schmidt (Bärgida) gemeinsam an der Veranstaltung teilgenommen. Aus dem Bezirk Charlottenburg wurden Olga Vitlif (Sprecherin der Russlanddeutschen in der AfD) und Steffen Michael Witt (AfD) gesichtet.

Traurig anzusehen war der Anblick das bekannte Nazigrößen wie Udo Voigt, Sebastian Schmidtke, Christian Häger und weitere unbehelligt und unbermerkt durch die spontane Gegenkundgebung gehen konnten. Die Gründe dafür bedarfen einer tiefgehenderen kritischen Auseinandersetzung welche an anderer Stelle geführt werden muss.

Fazit

Es ist auffällig, dass die Dienstagsgespräche im Bereich Otto-Suhr Str.-Spandauer Damm in drei uns bekannten Restaurants stattfinden konnten. In zwei davon haben neben den Dienstagsgesprächen auch Treffen der verschwörungsideologischen Gruppe “Blauer Himmel” stattgefunden. Zuletzt am 7. Juli 2018 im Brauhaus Lemke. Es ist nicht auszuschließen, dass es eine personelle Überschneidung zwischen beiden Kreisen gibt, die in räumlich und zeitlicher Nähe faschistoide Veranstaltungen organisieren. Dies würde bestätigen das in der Gruppe “Blauer Himmel” damit geprahlt wird Kontakte zur NPD zu haben.
Die Identitäre Bewegung, der völkische Teil der Berliner AfD und die NPD treffen sich bei den Dienstagsgesprächen. Die Zeiten der Abgrenzung sind damit vorbei. Alle die schon immer mal diesem bunt-braunem Haufen begenen wollte sei das Dienstagsgespräch ans Herz gelegt.

Antifa Westberlin

Fotos von Oskar Schwartz