Vor genau 25 Jahren ereignete sich das rassistische Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Eine Woche später wurde im Berliner Stadtteil Charlottenburg Günter Schwannecke von Neonazis ermordet. Die zeitliche Nähe ist kein Zufall, bundesweit kam es 1992 zu Serien rechter Angriffe, welche oftmals tödlich endeten. Die Täter fühlten sich durch den Applaus der deutschen Mehrheitsgesellschaft bestätigt, eine Generation von Neonazis begriff sich als Vollstrecker des Volkswillens. Der gesellschaftliche Rassismus wurde damals von dem Staat und Parteien befördert. Bereits vor dem Pogrom von Hoyerswerda 1991 startete die CDU eine Hetz-Kampagne gegen Geflüchtete um das Grundrecht auf Asyl auszuhebeln. Die Betroffenen von Hoyerswerda und Rostock wurden weggekarrt und sollten vergessen werden. Ein Jahr später folgte die Politik dem deutschen Mob und hebelte mit Zustimmung der SPD als damaliger Oppositionspartei das Grundrecht auf Asyl aus. Das Beispiel zeigt, dass staatliche Erinnerungspolitik für eine kritische Analyse rechter Übergriffe und Aufarbeitung des gesellschaftlichen Rassismus vollkommen unzureichend ist.
Seit vielen Jahren kämpfen daher Gedenkinitiativen für ein aktives Erinnern an die Betroffenen rechter Gewalt und für lückenlose Aufklärung der Fälle. Wir möchten mit den Gedenkinitiativen an Burak B., Nguyen Châu und Do Anh Lân (angefragt) sowie der Initiative für ein Gedenken an Günter Schwannecke Möglichkeiten und Grenzen nichtstaatlicher Gedenkinitiativen diskutieren und neben der Aufarbeitung von Vergangenem auch einen kritischen Blick in die Zukunft werfen.

Veranstaltung im Rahmen des Antifa Tresen 

 Freitag 22.08.17 | 20:00 | Schloß 19 | Schloßstr. 19 | Charlottenburg